
Wie Schafwolle Schadstoffe aus der Raumluft bindet
Wolle und die Raumluft
Schafwolle kann mehr als wärmen und dämmen. Schurwolle bindet Formaldehyd und andere Schadstoffe dauerhaft und gibt sie nicht wieder ab. Was nach Werbeclaim klingt, ist wissenschaftlich belegt: Das Deutsche Wollforschungsinstitut an der RWTH Aachen hat gemeinsam mit dem eco Institut Köln in langjähriger Forschungsarbeit nachgewiesen, dass Schafwolle Formaldehyd aus der Luft entfernt und unschädlich macht.
Für uns bei monofaktur ist das einer der Gründe, warum wir seit 2010 auf Wollfilz setzen. Ein Material, das nicht nur gut aussieht, sondern Formaldehyd bindet und die Luftfeuchtigkeit im Raum regulieren kann.
Was ist Formaldehyd und warum ist es problematisch?
Formaldehyd ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, das in vielen Alltagsprodukten vorkommt: in Spanplatten, Parkettversiegelungen, Farben, Lacken, Klebstoffen und Dämmstoffen. Besonders ältere Möbel und Fertighäuser aus den 1970er- und 1980er-Jahren können noch heute erhebliche Mengen ausgasen.
Die International Agency for Research on Cancer (IARC) stuft Formaldehyd seit 2004 als krebserregend ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigt, dass die Substanz Tumore im Nasen-Rachenraum auslösen kann. Eine Auswertung des BfR ergab, dass in fünf Prozent der deutschen Haushalte der empfohlene Grenzwert von 0,1 ppm überschritten wird.
Wie bindet Schafwolle Formaldehyd?
Schafwolle besteht zu etwa 97 Prozent aus Keratin, einem Faserprotein, das auch in menschlichen Haaren und Nägeln vorkommt. Die besondere Struktur dieses Proteins bindet Formaldehyd und andere Schadstoffe dauerhaft aus der Raumluft. Formaldehyd ist ein chemisch reaktives Molekül aus der Stoffgruppe der Aldehyde. Es reagiert mit den Aminosäureketten des Keratins und bildet dabei stabile, unschädliche Verbindungen.
Der Entwickler Fritz Doppelmayer beschreibt die Entdeckung so: Eine polnische Reinigungsfirma fixierte Bügelfalten mit Formaldehyd. Bei Hosen aus Schafwolle funktionierte das nicht. Der Grund: Die Wolle band das Formaldehyd ab, bevor es wirken konnte.
Was sagen die Messergebnisse?
Die Forschung zeigt: Der größte Teil des Formaldehyds ist schon nach wenigen Stunden gebunden, nach einem Tag nahezu vollständig, und die Wirkung hält über Jahrzehnte an.
Zeitraum | Formaldehyd-Reduktion |
Nach 2 Stunden | 80 bis 88 Prozent |
Nach 24 Stunden | 96,7 Prozent (bei 300 ppm) |
Langzeitwirkung | Mindestens 20 Jahre nachgewiesen |
Schafwolle in der Praxis: Sanierte Gebäude
Die Forschung ist längst in der Praxis angekommen. Zahlreiche formaldehydbelastete Gebäude wurden in den letzten Jahrzehnten erfolgreich mit Schafwollprodukten saniert:
Kindergärten und Schulen: Öffentliche Einrichtungen, in denen Kinder täglich mehrere Stunden verbringen, wurden mit Schafwollvliesen ausgestattet. Die Schadstoffwerte sanken dauerhaft unter die Grenzwerte.
Fertighäuser der 1970er und 1980er Jahre: Viele dieser Häuser wurden mit formaldehydhaltigen Spanplatten gebaut. Die Sanierung mit Schafwolle bietet eine dauerhafte Lösung, die das Formaldehyd nicht nur absperrt, sondern abbaut.
Großraumbüros: Im Gesundheitshaus Leverkusen wurden 7.000 Quadratmeter Schafwollvlies präventiv zur Raumluftverbesserung eingesetzt.
Wie funktioniert das?
Die gängige Methode zur Reduzierung von Formaldehydausgasungen sind Anstriche oder Versiegelungen. Diese sperren das Formaldehyd ab, aber die Lösung ist nicht dauerhaft: Mit der Zeit zersetzen sich die Anstriche und das Formaldehyd strömt wieder aus.
Schafwolle arbeitet anders. Sie entfernt das Formaldehyd chemisch aus der Luft. Es wird nicht gespeichert, sondern in unschädliche Verbindungen umgewandelt. Eine Rückbildung ist nicht möglich.
Und was bedeutet das für unsere Wohntextilien?
Ein Filzvorhang, eine Filztapete oder ein großer Filzteppich sind keine Sanierungsprodukt. Aber jedes Stück Schafwolle im Raum trägt zur Luftqualität bei. Je größer die Fläche, desto stärker der Effekt.
Unsere Filzvorhänge aus Wollfilz bringen mehrere Quadratmeter Schafwolle in Ihren Raum. Ein Material, das nicht nur gut aussieht und sich gut anfühlt, sondern aktiv arbeitet.
Das Finkhof Wollhaus fasst es so zusammen: Je größer die Fläche ist, die die Wolle in einem Raum einnimmt, desto stärker ist die Wirkung. Aber auch Wolldecken, Felle oder Wollstoffe im Wohnbereich verringern die Schadstoffbelastung.
Fazit
Schafwolle ist mehr als ein schönes Naturmaterial. Sie ist ein Werkstoff, der Formaldehyd und andere Schadstoffe dauerhaft aus der Raumluft bindet. Diese Erkenntnis basiert auf jahrzehntelanger Forschung an renommierten deutschen Instituten und ist durch zahlreiche erfolgreiche Sanierungsprojekte bestätigt.
Quellen
[1] Deutsches Wollforschungsinstitut (DWI) an der RWTH Aachen / eco Institut Köln: Langzeitforschung zum Schadstoffabbau durch Schafwolle
[2] Sweredjuk, R.; Wortmann, G.; Zwiener, G.; Doppelmayer, F.: Schafwolle als reaktives Sorbens für Luftschadstoffe im Innenraum
[3] Bauhandwerk Fachzeitschrift (März 2009): Katalysator – Nachhaltige Formaldehydsanierung in Innenräumen
[4] Wikipedia: Keratine (mit Quellenangaben zur Formaldehydsanierung)
[5] kairatin.de: Geschichte und Ursprung (Entwicklungsgeschichte Fritz Doppelmayer GmbH)
[6] EGGBI – Europäische Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene: Schafwolle für bessere Raumluft
[7] BauNetz Wissen Dämmstoffe: Schafwolle
[8] Verein Deutscher Schafscherer e.V.: Die Wolle
[9] Finkhof: Eigenschaften der Schafwolle
[10] natureplus Fachpressedienst Nr. 3, August 2006: Formaldehyd-Belastung in deutschen Haushalten
Wohntextilien bringen Schurwolle in den Raum




































