Pages Navigation Menu

Individuell wohnen & einrichten - Frische Einrichtungsideen und Wohndesign nach Maß.

Behagliches Lauschen

Behagliches Lauschen

Akustikberaterin K. Niemeyer mit Tipps zur Verbesserung der Raumakustik in Wintergärten.

So wie Räume uns Schutz und Obhut bieten, grenzen sie uns auch von der Außenwelt ab. Es sei denn, wir fangen mit großen, möglichst bodentiefen Fenstern den freien Blick nach außen wieder ein.

Da ist die Idee des Wintergartens nicht fern, ein leichter Raum, wie im Schwebezustand zwischen Innen und Außen.
Der Name sagt es bereits, ein Wintergarten hat – ähnlich wie die geschlossene Loggia – seine Hochkonjunktur in der kalten Jahreszeit. Dann holt er mit Licht, Grünpflanzen und Lieblingsmöbeln den Wellnessfaktor ins Haus.

Der Gedanke an einen Wintergarten ruft grenzenlos Ideen wach. Er ist vorstellbar als ersehnte Erweiterung der Wohnfläche oder als Arbeitsplatz, als Schwimmhalle, sogar als Gartenhaus mit Gästewohnung und noch viel mehr. Ebenso vielfältig sind die Anforderungen bei Planung und Ausführung. Ein genauer Blick auf alle Bauteile, Funktionen und Schnittstellen ist ebenso notwendig für den Projekterfolg, wie ein Nutzungs- und Gestaltungskonzept hilfreich sein wird.

 

Akustikbilder und Filzvorhänge verschaffen Ruhezonen


Guter Rat

Von Sonnenschutz bis zu Einbruch hemmenden Fenstern und Türen sieht sich der Bauherr im Fachhandel gut beraten. Auch zweischichtige Lärmschutzgläser finden in der Regel inzwischen Anwendung, um Störungen von außen fernzuhalten. Die Emissionen der Fernverkehrsstraße bleiben ebenso vor den Gläsern wie die drohenden Geräusche von Gewitter und Hagel.
Nun stelle man sich vor, das Gewitter fände – im übertragenen Sinne – im Innern statt. Eine voll aufgedrehte Musikanlage mag dafür schon manchen Anlass geben. Aber selbst bei Alltagshandgriffen kann Schall im Wintergarten ein unerwünschter Begleiter werden. Wenn es ringsum hallt und dröhnt, macht auch ein Telefongespräch mit Blick in die Natur keine Freude.

Überraschende Störenfriede
Die großen Glasflächenanteile eines Wintergartens können einen Aquarium-Effekt in doppelter Hinsicht entstehen lassen. Zunächst ist darauf zu achten, dass die Kondensatbildung an den Außenflächen bei entsprechenden Temperatur- oder Luftfeuchtebedingungen nicht zu einem unerfreulichen Problem wird. Gleichzeitig regt auch das Gefühl einer Badezimmer-Akustik nicht jedermann zum Singen an. Glas ist ein schallhartes Material. Nahezu ungebrochen werden die Schallwellen reflektiert und können durch bestimmte geometrische Raumfiguren ungünstige Effekte ergeben. Doch welche Situationen sind raumakustisch besonders herausfordernd, wenn der Wintergarten uneingeschränkt genutzt werden soll?

Raumgestaltung zum Erholen und Arbeiten
Gerade für eine Raumnutzung als Büro oder Foyer mit Arbeitsplatz ist eine geeignete Ausstattung gefragt. Denn die unvermittelten gläsernen Antworten des Raumes stehen in Korrespondenz mit dem Wohlbefinden und Leistungsvermögen der Menschen, die sich dort aufhalten. Eine effiziente Verschattung und behagliche Raumtemperatur gehören ohne Frage zu jedem Wintergarten-Arbeitsplatz dazu.
Telefonkonferenzen, Kundengespräche oder die meditative Pause wollen ohne störenden Schall erlebt sein.
Es sind daher gezielte Vorüberlegungen oder bewusste Nachrüstungen für Konstruktion und Oberflächen gefragt. Dann kann sogar ein gläserner Raum angenehm sein zum Sprechen und Hören.
Falls der Wintergarten als Ruhezone dient, sind ebenfalls die Umgebungsfaktoren Licht, Klima und Akustik zu beachten, damit die Erholungsphase starten kann.

Einfache Vorüberlegungen
Wintergärten haben zumeist überschaubare, aber nicht immer ganz kleine Volumina. Dabei ist für ein besseres Hörererlebnis bereits die Form des Baukörpers entscheidend. So sorgen ein geneigtes Dach oder eine geneigte Wand für ein günstig verändertes Schallreflexionsverhalten. Kuppelartige Decken sollten gemieden werden, schallreduzierend sind Wandbögen nur dann dienlich, wenn sie sich in konvexer Form nach außen wölben. Auch Wandversprünge und die unregelmäßige Oberflächenstruktur von Seiten- oder Rückwand können sich im Gesamtgefüge nützlich machen. Ein unverputztes Mauerwerk, rohe Holzpaneele oder grober Strukturputz sind dafür idealer als Sichtbeton oder Raufasertapete. Wo wechselnde Aktivitäten und viele Bewegungen im Raum stattfinden, sind weiche Bodenbeläge eher geeignet als Steinfußböden oder Parkett. Störender Trittschall ist dann kein Thema.

Abschließende Vorkehrungen
Ein vorteilhaftes raumakustisches Empfinden wird natürlich auch durch die Einrichtung unterstützt. Dabei gilt hier: weniger ist nicht mehr. Für einen spürbaren Erfolg sind schon einige Buchregalreihen und Polstermöbel erforderlich. Zum schallabsorbierenden Effekt kann auch ein Teppich beitragen. Noch effizienter wirken spezielle Akustikmodule für Wand und/oder Decke.
Vorhänge in üblicher Qualität sind als kleine Helfer zweifach wirksam. Sie vermindern die Schallreflexion der Glasflächen leicht und verdunkeln den Raum bei Bedarf. Für einen reduzierten Wärmeeintrag eignen sich dennoch außen liegende Verschattungssysteme deutlich besser. Je schwerer und dichter Vorhänge sind, desto besser werden beide Funktionen erfüllt. Filzvorhänge sind deshalb eine bessere Wahl als leichtere Bauwollvorhänge. Mit ihren raumklimatischen Eigenschaften wirken sie zudem temperatur- und feuchtigkeitsausgleichend.

Nicht immer ist der Übergang zum angrenzenden Raum geschlossen, offene Strukturen reichen mitunter tiefer in das Gebäude hinein. Das kann die Aktivitäten im Wintergarten schon mal zum Störfeld für die Nachbarflächen machen und umgekehrt. Neben den beschriebenen akustischen Maßnahmen ist dann umso mehr Rücksichtnahme gefragt – vom Klingelton am Handy bis zur Lautstärke beim Sprechen. Da ist viel Platz für individuelle Lärmreduktion an der Quelle.

 

Zur Autorin // Katja Niemeyer – circle08

Warum Akustik-Gestaltung? Das Erlebnis „Raum“ ist Produkt innerer und äußerer Prozesse von Wahrnehmung und Gestaltung – über die Wahrnehmung entscheidet der Nutzer, über die Gestaltung häufig ein anderer. Von der Möglichkeit, den Raum seiner Funktion entsprechend zu gebrauchen bis zur corporate identity gibt es viele Fragen, die das akustische Raumdesign betreffen. Gute Raumakustik stellt ganz natürlich ein positives Raumerlebnis zur Verfügung. Bewußt eingesetzte akustische Maßnahmen können zur Abwehr von Stressoren beitragen und gleichzeitig durch sensible Gestaltung Kraftraum und Territorium schaffen, Distanz oder Beziehung fördern. www.circle08.de

 

 

Messdaten und weitere Informationen finden Sie unter Wissen: Informationen zu Schallschutz und Raumakustik.

Weitere Inspirationen finden Sie in unserem ideenGarten.

 

468 ad